Louis Malles meisterhafter, autobiographischer Film wurde in Frankreich 1988 mit sieben Cesars ausgezeichnet und erhielt den Goldenen Löwen beim Festival von Venedig.
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Inhalt
Frankreich, im Jahr 1944. Nach den Weihnachtsferien kehrt der 11-jährige Fabrikantensohn Julien Quentin gemeinsam mit seinem Bruder aus dem inzwischen unsicher gewordenen Paris zurück ins Internat nach Fontainebleau. Aber auch hier ist der Krieg inzwischen angekommen, Lebensmittel werden langsam Mangelware.
Für Julien und die anderen Schüler geht dennoch der ganz normale Alltag weiter, die Padres versuchen, ihnen Latein und Literatur nahe zu bringen, sie müssen Mathematik und Altgriechisch büffeln und finden wie alle Jugendliche in diesem Alter großes Gefallen an den Dingen, die ihnen eigentlich verboten sind. Julien ist dabei keine Ausnahme.
Seit Weihnachten besuchen drei neue Schüler das Internat, unter ihnen Jean Bonnet, der das Bett neben Julien zugewiesen bekommt. Als Neuer hat es Jean nicht leicht, zumal sich der stille Junge als wahrer Überflieger entpuppt, der wesentlich mehr weiß als die Mitschüler und außerdem brillant Klavier spielt. Auch Julien kann Jean zu Anfang nicht sonderlich leiden. Er weiß nicht recht, ob er, wie die anderen Jungs auf ihm herumhacken oder lieber doch zu ihm halten soll. Immerhin hat der neue Bettnachbar niemandem verraten, dass Julien manchmal nachts vor Heimweh heimlich in sein Kissen weint. Außerdem scheint Jean irgendein Geheimnis zu haben.
Eines Tages stehen Schergen der französischen Miliz vor dem Klostergebäude. Julien bemerkt, dass die Padres die drei neuen Schüler in Windeseile verstecken. Als er auf der Suche nach Jeans Geheimnis in dessen Sachen schnüffelt, kommt er hinter die wahre Identität seines Bettnachbarn: Jean ist Jude und heißt in Wirklichkeit mit Nachnamen nicht Bonnet, sondern Kippelstein. Die Padres halten ihn in den Klostermauern vor der Gestapo versteckt. Julien spricht Jean darauf an, der sonst eher zurückhaltende Jean reagiert wütend. Doch langsam und ohne dass sie darüber viele Worte verlieren, freunden sich die beiden Jungen an.
Als der Küchenjunge Joseph wegen seiner Schwarzmarktaktivitäten fristlos entlassen wird und das Klostergebäude verlassen muss, schwört er, sich an den Padres zu rächen. Wenig später verhaftet die Gestapo die drei jüdischen Schüler und Pater Jean.
DVD-Info
Darsteller: Gaspard Manesse, Raphael Fejtö, Francine Racette
Originaltitel: Au revoir les enfants (Deutschland / Frankreich 1987)
Genre: Drama
Regisseur(e): Louis Malle
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Französisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Concorde Video
Erscheinungstermin: 9. Mai 2007
Produktionsjahr: 1987
Premierendatum: 5. November 1987
Spieldauer: 101 Minuten
DVD-9
[url='http://www.imdb.de/title/tt0092593/']IMDb 8,1/10 [/url]
Kritiken
„‚Au Revoir Les Enfants‘, sein (Malles) erster französischer Film seit zehn Jahren, markiert eine Wiedergeburt nach einer Reihe von schwachen und bedeutungslosen Filmen.“ (Washington Post)
„Ein kraftvolles Portrait des besetzten Frankreichs, gesehen durch die Augen eines Kindes … Der beste Film in Regisseur Louis Malles herausragender Karriere.“ (Spirituality & Health)
„Louis Malle erzählt diese prägende Jugenderinnerung als einen Reifungsprozeß in schwieriger Zeit, in dem sich Emotionen und Authentizität eindrucksvoll die Waage halten. Eine bewegende Schilderung menschlichen Verhaltens im Spannungsfeld von Rassismus, Verrat, Schuld und Solidarität.“ (Lexikon des internationalen Films)
[wikipedia.org]
Auszeichnungen
Auf Wiedersehen, Kinder wurde 1988 bei der Verleihung der Césars, dem wichtigsten französischen Filmpreis, in neun Kategorien nominiert und sieben Mal ausgezeichnet. Neben den Trophäen für den besten Film des Jahres, Regie und Drehbuch wurde das Drama auch in mehreren technischen Kategorien prämiert. Bei den Filmfestspiele von Venedig ein Jahr zuvor hatte Louis Malles Werk den Goldenen Löwen für den besten Film gewonnen.
Ferner wurde der Film bei den Golden Globe Awards 1988 als beste fremdsprachige Filmproduktion nominiert, unterlag aber dem schwedischen Filmbeitrag Mein Leben als Hund von Lasse Hallström. Bei der Oscar-Verleihung im selben Jahr war der Film erneut als bester fremdsprachiger Film und für das beste Original-Drehbuch nominiert, musste sich aber in diesen Kategorien dem dänischen Film Babettes Fest bzw. der US-amerikanischen Produktion Mondsüchtig geschlagen geben. 1989 gewann Regisseur Louis Malle den British Academy Film Award für die beste Regie.
Oscar 1988
Nominiert in den Kategorien
Bester fremdsprachiger Film
Bestes Original-Drehbuch
British Academy Film Awards 1989 [Bearbeiten]
Beste Regie
Nominiert in den Kategorien
Bester Film
Bester nicht-englischsprachiger Film
Bestes Original-Drehbuch
Golden Globe 1988 [Bearbeiten]
nominiert als bester fremdsprachiger Film
César 1988 [Bearbeiten]
Bester Film
Beste Regie
Bestes Drehbuch
Beste Ausstattung
Beste Kamera
Bester Schnitt
Bester Ton
Nominiert in den Kategorien
Bester Nachwuchsdarsteller (François Négret)
Beste Kostüme
Bodil 1989
Bester europäischer Film
David di Donatello 1988
Bester ausländischer Film
Bester ausländischer Regisseur
Bestes Drehbuch für einen ausländischen Film
Europäischer Filmpreis 1988
Bestes Drehbuch
Le Syndicat Français de la Critique de Cinéma 1988
Bester Film
Gilde-Filmpreis 1989
Bester Film
Independent Spirit Award 1988
nominiert als bester ausländischer Film
Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani 1988
Bester Regie für einen ausländischen Film
London Critics Circle Film Award 1990
Bester fremdsprachiger Film des Jahres
Los Angeles Film Critics Association Award 1987
Bester ausländischer Film
Louis-Delluc-Preis 1987
Bester Film
Internationale Filmfestspiele von Venedig 1987
Goldener Löwe für den besten Film
Preis der katholischen Jury (OCIC)
Hintergrundinfo
Im wirklichen Leben hieß der Leiter des Petit Collège nicht Pater Jean, sondern Père Jacques. Er wurde nach seinem Tod als Gerechter unter den Völkern geehrt.
Jean Bonnet war auch der wirkliche Deckname eines der versteckten Kinder. Sein richtiger Name lautete allerdings Hans Helmut Michel. Für Louis Malle hatte der Name Michel allerdings einen französischen Klang, daher gab er der Figur den eher jüdisch klingenden Nachnamen Kippelstein. Hans Helmut Michel wurde am 6. Juni 1930 in Frankfurt am Main als Sohn eines jüdischen Arztes geboren. Mit Beginn der Judenverfolgung floh seine Mutter mit ihm und seiner sechs Jahre älteren Schwester Laure nach Paris. Dort wurden sie im Juli 1942 während der Rafle du Vélodrome d'Hiver (Razzia der Winter-Radrennbahn) verhaftet. Auf dem Weg in das Velodrom, der Sammelstelle für die verhafteten Juden, hatte ein Polizist Mitleid mit dem Jungen und öffnete eine Tür, damit er fliehen konnte. Einer zweiten Verhaftung konnte er im Dezember 1942 im letzten Moment entgehen. Da Hans Helmut akzentfrei Französisch sprach, gelang es ihm, sich an den Pariser Pfarrer Théomir Devaux zu wenden, der ihn in das Petit Collège vermittelte.
Die Figur des Küchenjungen Joseph gab es in Wirklichkeit nicht, unfreiwillig verraten wurde der Pater durch ein Mitglied der Résistance, das von der Gestapo unter Anwendung von Folter verhört worden war. Père Jacques hatte einen engen Kontakt zur Résistance unterhalten, um Menschen zu helfen, die sich auf der Flucht vor dem Pflichtarbeitsdienst STO (Service du Travail obligatoire) befanden.
Die im Film verarbeiteten Kindheitserinnerungen schienen Malle große seelische Schmerzen bereitet zu haben. Bei der US-Premiere des Films auf dem Telluride Film Festival brach der französische Regisseur in Tränen aus.
Das Couvent des Carmes existiert noch heute in Avon (Seine-et-Marne), allerdings wurde das Petit Collège 1960 geschlossen. Wie der Regisseur preisgab, habe er die Schule Jahre später besucht, doch sie war abgerissen und vergessen worden. Anstelle der Schule befindet sich heute neben dem Kloster ein Centre Spirituel. Im ehemaligen Schulhof wurde eine Gedenktafel angebracht, die an die Ereignisse erinnert.